WalnussknackenMehrere hundert Walnussbäume, viele davon im fruchtbarsten Alter, wurzeln auf Winterhäuser Flur. Die nährstoffreichen Muschelkalkböden des südlichen Maindreiecks bieten ihnen zusammen mit dem sonnigen und wintermilden, nicht zu niederschlagsarmen Klima ideale Bedingungen. Sie wachsen in Hausgärten und Höfen, auf Streuobstwiesen zwischen Weingärten und Laubwald und säumen Wirtschaftswege.

Walnussbäume sind ebenso anspruchslos wie bereichernd. In ihrem Schatten lässt sich's im Sommer gut aushalten, auch weil der Duft ihrer Blätter lästige Insekten fern hält, und ab dem frühen Herbst fallen die Nüsse zu Boden. Nur: „Wer den Kern will essen, der muss die Nuss aufbrechen“.

In Winterhausen tun das seit dem Herbst 2012 alljährlich etwa dreißig Frauen und Männer gemeinsam. Nachdem sie den Walnuss-Segen aufgeklaubt und getrocknet haben, setzen sie sich ab Anfang November zusammen und knacken die großen und kleinen, die runden, ovalen oder walzenförmigen, dicken oder dünneren Schalen. Und während ein Nusskern nach dem anderen in bereit gestellten Schüsseln landet, wird geplaudert und gelacht, manches Mal sogar aufgespielt und gesungen.

Die energiereichen Kerne wandern dann in Ölmühlen und Küchen, wo allerlei Delikatessen daraus hergestellt werden, Öle und Gebäck, Süßes und eher Salziges, Herzhaftes und Zartes. Auch die im Frühsommer geernteten und in langwierigem Verfahren eingelegten „Schwarzen Nüsse“ sind nun reif für den Verzehr. Ansprechend verpackt werden die Schmankerl auf dem Winterhäuser Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende verkauft, wo sie reißenden Absatz finden.

Den Erlös spenden die Winterhäuser Walnussknacker jährlich einer sozialen Einrichtung oder einem karitativen Projekt.

Der Kreis rund um die Walnuss in Winterhausen beschäftigt sich mehr und mehr mit sämtlichen Facetten des Walnussbaumes, Interesse und Neugier wachsen beinahe mit jedem frei gelegten Kern.. Ebenso professionelle wie wunderschöne Fotografien vom Baum, von den Blüten und der Nuss in allen Stadien der Reife und von den Abenden um den Knacktisch sind schon entstanden, einige davon waren 2013 zu einem Kalender gestaltet ebenfalls beim Weihnachtsmarkt erhältlich. Vorträge zur Walnuss, dem Baum des Jahres 2008, werden organisiert, sich mit der Heilwirkung von Walnusskernen und -blättern auseinander gesetzt, Kochrezepte gesammelt.

Ein ganz neuer Blick auf einen ganz alten Baum ist so entstanden. Eine alte Gewohnheit, sich zu gemeinsamer Arbeit zusammen zu setzen, neu belebt. Alteingesessene und Neubürger knacken für die alte und ewig neue Idee, anderen vom eigenen Überfluss etwas abzugeben.

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